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Einspruch, Euer Ehren!

 

Es ist sicher äußerst begrüßenswert, dass es immer mehr FamRichter(innen) in D gibt, die sich konstruktiv mit dem Wechselmodell auseinandersetzen und mehr und mehr dessen positive Wirkung auf das Kindeswohl, auf die Eltern und die Gesellschaft erkennen. Auch der vorliegende Aufsatz* der leitenden Richterin am FamG/AG Köln, - Frau Margarethe Bergmann - geht im Wesentlichen in die richtige Richtung. Allerdings gibt es ein paar Punkte, wo man Frau Bergmann doch widersprechen muss:

*„Die Erstveröffentlichung des Beitrags finden Sie beim Bundesanzeiger Verlag in der Publikation „ZKJ“, Heft 12/2013, Seite 489–491. Weiterführende Informationen unter www.zkj-online.de.“

 

Hier ein paar Ergänzungen zu den Fußnoten aus Frau Bergmanns Aufsatz:

7 Dass an das Gelingen eines WMs besonders hohe Anforderungen an die Kooperation bzw. Kommunikation der Eltern gestellt werden müssten hat Frau Prof. Dr. Sünderhauf bereits widerlegt, (s. Sünderhauf FamRb 9/13, "Vorurteile gegen das Wechselmodell: Was stimmt, was nicht?", S. 297, Zitat: "Generell sind an die Kommunikation und Kooperation für ein gelingendes Wechselmodell keine anderen Anforderungen zu stellen, als an ein Residenzmodell mit Umgangskontakten. Im Einzelfall ist Eltern Hilfestellung bei der Suche nach praktikablen Kommunikationswegen anzubieten.) Es fällt aber auf, dass vor deutschen FamGn die Behauptung von Frau Bergmann immer wieder gern bemüht wird um ein WM zu verhindern, dies, obwohl es zu dieser Behauptung weder empirische Forschungen noch andere wissenschaftliche Nachweise gibt. Aber wenn´s (fast) alle so machen muss es ja richtig sein, denn schließlich ist das was in der BILD-Zeitung steht ja auch richtig - weil sie alle lesen......

 

10Aber genau darum geht es doch, Frau Bergmann, dass es eben möglich sein muss ein WM auch gegen den Willen eines Elternteils (meist der Mutter) anordnen zu können. Ein WM kommt doch in der Praxis fast immer nur deshalb nicht zustande, weil die Mutter sich dagegen sträubt.... Zitat Sünderhauf, FamRb 9/13, S. 293: "... In keinem der Fälle wird berichtet, dass ein Vater sich gegen die Aufnahme oder Fortsetzung des Wechselmodells ausgesprochen hätte. Es war immer die Mutter, die den Vater aus der aktiven Betreuung durch ihr Veto ausgrenzen wollte und dies meistens auch erreichte." Erfreulicherweise verweist Frau Bergmann im Folgenden auf den AK7 des 20. DFGTs, der sich mehrheitlich nicht der Auffassung von Frau Bergmann angeschlossen hat, dass die Anordnung des WMs gegen den Willen eines Elternteils nicht hilfreich sei.

 

14 Dass das OLG Hamm zahlreiche Nachweise zur Rechtsprechung, die Kommunikation und das Zusammenwirken der Eltern betreffend, zitiert, heißt nicht, dass an die Kommunikation und das Zusammenwirken der Eltern auch tatsächlich derart hohe Anforderungen gestellt werden müssen, denn einen wissenschaftlichen Beweis hierfür gibt es nicht. Vielmehr beweist das OLG Hamm hiermit lediglich wie sehr sich die OLGs, in einer Art Schneeballsystem, gegenseitig hinter nicht bewiesener Rechtsprechung verstecken. (s. hierzu auch Sünderhauf FamRb 9/13, S. 295, "Vorurteile gegen das Wechselmodell: Was stimmt, was nicht?" Zitat: "So begründet jeweils das eine OLG seine Annahmen mit den ebenso nicht begründeten Annahmen der anderen OLG.") Müssten tatsächlich die hier beschriebenen hohen Anforderungen an die Elternkommunikation gestellt werden, so hätte ein Elternteil (meist die Mutter) jederzeit ein Machtmissbrauchsinstrument in der Hand und könnte durch Kommunikationsbehinderung oder -verweigerung jedes Wechselmodell ad absurdum führen.

 

15Nicht nur "Manche", Frau Bergmann. Es sind unsere Kinder selbst, die sich mehrheitlich für einen gleichmäßigen Kontakt zu beiden Elternteilen nach deren Trennung aussprechen, denn Kinder unterscheiden von den Prioritäten her nicht zwischen Mutter und Vater, für Kinder sind beide gleich wichtig. (s. a. DJI, Diplom-Soziologin Diane Nimmo, Zitat: " Dennoch aber wollen die von uns befragten Kinder keinesfalls auf den Kontakt mit beiden Elternteilen und die gemeinsame Zeit mit ihrer Mutter oder mit ihrem Vater verzichten. ... Das mehrörtige Leben ist für alle der befragten Kinder Teil ihrer Alltagsnormalität.")

 

20Dies kann ich aus eigener Erfahrung nur bestätigen. Unser Sohn wird seit er ca. 1,5 Jahre alt ist von seinen Eltern in einem asymmetrischen WM betreut (s. hier) und er kommt sehr gut damit zurecht. Es macht ihm überhaupt nichts aus, dass er regelmäßig seinen Wohnort wechselt. Im Gegenteil, ich bin sogar der Meinung, dass sich Kinder, je früher sie sich an das WM gewöhnen können, umso leichter damit tun.

 

Fazit: Ganz 100%ig klar wird aus dem vorliegendem Aufsatz nicht wie genau sich die Autorin zum Thema Wechselmodell positioniert. Wenn man es positiv sehen will, könnte man sagen: 'Ja, sie scheint es, vor dem Hintergrund gesellschaftlicher Veränderungen und neuester wissenschaftlicher Erkenntnisse, zu befürworten'. Wenn man den Text aber etwas kritischer liest, kann aber auch vermutet werden, dass unter dem Deckmantel der Befürwortung des Wechselmodells Argumentationshilfen gegeben werden sollen, wie man weiterhin, trotz ständig steigendem Drucks der WM-Befürworter (-Aktivisten), ein Wechselmodell verhindern kann....